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<title>Prospect Theory</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Prospect Theory</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Prospect Theory</b>, im Deutschen auch <b>Prospect-Theorie</b>, <b>Prospekt-Theorie</b> oder <b>Neue Erwartungstheorie</b> genannt, wurde 1979 von den Psychologen <a href="Daniel_Kahneman" title="Daniel Kahneman">Daniel Kahneman</a> und <a href="Amos_Tversky" title="Amos Tversky">Amos Tversky</a> entwickelt und stellt eine empirisch fundierte Alternative zur klassischen <a href="Erwartungsnutzentheorie#Erwartungsnutzenfunktion" class="mw-redirect" title="Erwartungsnutzentheorie">Erwartungsnutzentheorie</a> dar.<sup id="cite_ref-Economist.com_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Economist.com-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Für diese Arbeiten, die er gemeinsam mit dem 1996 verstorbenen Tversky durchführte, erhielt Kahneman 2002 den <a href="Alfred-Nobel-Ged%C3%A4chtnispreis_f%C3%BCr_Wirtschaftswissenschaften" title="Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften">Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften</a>. Die Theorie bildet seither einen zentralen Grundpfeiler der Verhaltensökonomik.
</p><p>Im Kern beschreibt die Theorie, wie Menschen unter Unsicherheit entscheiden. Anders als in der Erwartungsnutzentheorie angenommen, wird das Risikoverhalten nicht allein durch den objektiven Erwartungswert bestimmt, sondern maßgeblich durch Verlustaversion und Referenzpunktabhängigkeit geprägt: Verluste lösen stärkere negative Emotionen aus als gleich hohe Gewinne positive, und Gewinne sowie Verluste werden immer relativ zu einem subjektiven Bezugspunkt, meist dem aktuellen Besitzstand, bewertet.
</p><p>Daraus resultiert ein asymmetrisches Risikoverhalten. Im Gewinnbereich verhalten sich Menschen <a href="Risikoaversion" title="Risikoaversion">risikoavers</a> und ziehen einen sicheren Gewinn einem unsicheren, aber erwartungswertgleichen Gewinn vor, etwa 50 € garantiert statt einer 50-prozentigen Chance auf 100 €. Im Verlustbereich kehrt sich das Verhalten um: Hier sind sie risikobereit und akzeptieren ein riskantes Spiel, um einen sicheren, kleineren Verlust zu vermeiden. Dieses Muster findet seinen Ausdruck in der charakteristischen S-förmigen Wertefunktion, die im Gewinnbereich konkav (Risikoaversion) und im Verlustbereich konvex sowie steiler verläuft (Risikofreude). Ergänzt wird die Theorie durch den <a href="Endowment-Effekt" class="mw-redirect" title="Endowment-Effekt">Endowment-Effekt</a>, wonach bereits besessene Güter systematisch höher bewertet werden als identische Güter, die erst erworben werden müssten. Die Prospect-Theorie hat sich als eine der einflussreichsten Konzepte der modernen <a href="Verhaltens%C3%B6konomik" title="Verhaltensökonomik">Verhaltensökonomik</a> etabliert und findet breite Anwendung in der <a href="Entscheidungstheorie" title="Entscheidungstheorie">Entscheidungstheorie</a>, der Finanzmarktforschung und zahlreichen weiteren Bereichen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abgrenzung">Abgrenzung</h2></div>
<p>Seit etwa 1940 basieren wirtschaftswissenschaftliche Theorien überwiegend auf der Annahme eines rational handelnden Individuums <i>(<a href="Homo_oeconomicus" title="Homo oeconomicus">Homo oeconomicus</a>),</i> das Entscheidungen auf Grundlage verfügbarer Informationen trifft, um Kosten zu minimieren und den eigenen Nutzen zu maximieren. Der <i><a href="The_Economist" title="The Economist">Economist</a></i> nutzt hierfür die Metapher des „Mr. Spock“<sup id="cite_ref-Economist99_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Economist99-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Economist03_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Economist03-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> als idealtypischen, rein logisch denkenden Akteur. Während statistische Untersuchungen dieses Modell in bestimmten Bereichen stützen, zeigen sich in anderen Kontexten deutliche Abweichungen.
</p><p>Der Homo oeconomicus ist eine zentrale Annahme der klassischen Ökonomie. Ihm werden uneingeschränkte Rationalität, konsequente Nutzenmaximierung, vollständige Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung ohne emotionale Einflüsse zugeschrieben. Obwohl dieses Modell des Homo Oeconomicus unrealistisch ist, hat dieses vereinfachte Menschenbild der modernen Nationalökonomie die enormen Fortschritte bei der Ausarbeitung ökonomischer Theorien und Modelle ermöglicht.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <i><span lang="en">Prospect Theory</span></i> modifiziert dieses strikt rationale Konzept, indem sie <a href="Kognitive_Verzerrung" title="Kognitive Verzerrung">kognitive Verzerrungen</a> (s. u.) berücksichtigt, die das Entscheidungsverhalten systematisch beeinflussen. Im Vergleich zu anderen Ansätzen der Verhaltensökonomik hat sie den Vorteil, dass sie mathematisch modellierbar ist und somit empirisch überprüft werden kann.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Das_mathematische_Modell">Das mathematische Modell</h2></div>
<p>Von der Empirie ausgehend, beschreibt die Theorie, wie Individuen erwartete Gewinne bzw. Verluste bewerten. Entscheidungsprozesse werden in zwei Stufen gegliedert: <i><span lang="en">editing</span></i> (etwa: Bearbeitung) und <i><span lang="en">evaluation</span></i> (Bewertung). Zunächst werden die möglichen Resultate <a href="Heuristik" title="Heuristik">heuristisch</a> geordnet: Ähnlichkeiten und Referenzpunkte werden festgelegt, so dass niedrige Ergebnisse als Verluste, höhere als Gewinne angesehen werden. Danach werden, ausgehend von den potentiellen Resultaten und ihren Eintrittswahrscheinlichkeiten, diesen Punkten Werte (Nutzen) zugeordnet. Die Alternative mit dem höchsten <a href="Nutzen_(Wirtschaft)" title="Nutzen (Wirtschaft)">Nutzen</a> wird dann gewählt.
</p><p>Die einfachste Form einer Formel, die Kahneman und Tversky für die Bewertungsphase angeben, lautet:
</p><p><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle U=w(p_{1})v(x_{1})+w(p_{2})v(x_{2})+\dots ,}">
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</p><p>wobei <span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle x_{1},x_{2},\dots }">
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</p><p><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle v}">
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/e07b00e7fc0847fbd16391c778d65bc25c452597.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -0.338ex; width:1.128ex; height:1.676ex;" alt="{\displaystyle v}" loading="lazy"></span> ist eine so genannte Wertfunktion, die einem Resultat einen Wert bzw. Nutzen zuordnet. Sie schneidet den Referenzpunkt (0;0), ist S-förmig und gewichtet, wie ihre Asymmetrie nahelegt, bei gleicher Varianz in absoluten Werten, Verluste stärker als Gewinne <i>(loss aversion).</i> Im Gegensatz zur Erweiterten Nutzentheorie werden nur Verluste und Gewinne, nicht aber absolute Beträge gemessen. Die Funktion <span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle w}">
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/88b1e0c8e1be5ebe69d18a8010676fa42d7961e6.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -0.338ex; width:1.664ex; height:1.676ex;" alt="{\displaystyle w}" loading="lazy"></span> wird <i>Wahrscheinlichkeits-Gewichtungsfunktion</i> genannt und drückt aus, dass Individuen unwahrscheinliche Ergebnisse überbewerten und mittel- bis hochwahrscheinliche Ergebnisse unterbewerten.
</p><p>Zwei Besonderheiten zeichnen die S-förmige Wertefunktion aus. Sie verläuft konkav im Bereich der Gewinne und konvex im Bereich der Verluste, außerdem ist sie steiler im Verlustbereich als im Gewinnbereich. Steigt der Gewinn, steigt die Wertschätzung, allerdings zunehmend langsamer. Die absolute Differenz zwischen zwei Gewinnen spielt also eine umso geringere Rolle, je größer das Ausgangsniveau bereits ist. Der konvexe Verlauf im Bereich der Verluste stellt sicher, dass das gleiche Phänomen auch im Verlustbereich auftritt. Demnach wird ein Anstieg des Verlustes im niedrigen Bereich schlechter bewertet als der gleiche Anstieg im höheren Bereich. Die Funktion verläuft steiler im Verlustbereich als im Gewinnbereich, da die Menschen Verluste höher gewichten als Gewinne.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wie_kognitive_Verzerrungen_unser_Verhalten_unter_Unsicherheit_beeinflussen">Wie kognitive Verzerrungen unser Verhalten unter Unsicherheit beeinflussen</h2></div>
<p>Die Prospect Theory besagt, dass <a href="Kognitive_Verzerrung" title="Kognitive Verzerrung">kognitive Verzerrungen</a> <i>(<span lang="en">biases</span>)</i> das Verhalten unter Unsicherheit systematisch beeinflussen. Insbesondere reagieren Menschen stärker auf Verluste als auf Gewinne; sie investieren mehr Energie in die Vermeidung von Nachteilen als in die Erzielung von Vorteilen.<sup id="cite_ref-Economist.com_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Economist.com-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Diese Theorie geht auf die Arbeiten von Daniel Kahneman und Amos Tversky zurück. Ihre Experimente zeigten, dass Menschen Risiken nicht objektiv bewerten, sondern von psychologischen Verzerrungen geleitet werden. Für diese Erkenntnisse wurde Kahneman 2002 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet, während Tversky bereits verstorben war.<sup id="cite_ref-Economist.com_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Economist.com-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie deckten in ihren psychologischen Experimenten die folgenden Wahrnehmungsverzerrungen und Ursachen auf:<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein zentrales Prinzip der Prospect Theory ist die verzerrte Wahrnehmung relativer Gewinne und Verluste. So erscheint eine Preissteigerung von 20 auf 40 bedeutsamer als eine von 220 auf 240, obwohl beide absolut gleich sind. Ähnlich verhält es sich mit den <a href="Sunk_Costs" class="mw-redirect" title="Sunk Costs">Sunk Costs</a> (versunkenen Kosten): Wer viel Geld in die Reparatur eines Gebrauchtwagens investiert hat, wird ein günstigeres Alternativangebot oft ignorieren. Auch die finanzielle Illusion zeigt sich im Alltag: Ein Kunde wechselt wegen eines fünf Euro günstigeren Angebots den Laden bei Turnschuhen, bleibt aber bei einem Fernsehkauf trotz gleicher Preisdifferenz im ursprünglichen Geschäft.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Selbstüberschätzung_(Overconfidence-Effekt)"><span id="Selbst.C3.BCbersch.C3.A4tzung_.28Overconfidence-Effekt.29"></span>Selbstüberschätzung (Overconfidence-Effekt)</h3></div>
<p><span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a></span> <span lang="en-Latn" style="font-style:italic"><i>overconfidence/over-confidentiality bias</i></span>
</p><p><a href="Selbst%C3%BCbersch%C3%A4tzung" title="Selbstüberschätzung">Selbstüberschätzung</a> (auch als <i>Overconfidence-Effekt</i> bekannt)<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> führt dazu, dass Menschen ihre eigenen Fähigkeiten, ihr Wissen und ihren Einfluss auf zukünftige Ereignisse überschätzen. Dies zeigt sich in verschiedenen Formen:
</p>
<ul><li>Überschätzung der eigenen Kompetenz und Risikobereitschaft: Personen halten sich für fähiger und mutiger, als sie tatsächlich sind.</li>
<li>Illusion der Kontrolle: Selbst irrationale Handlungen, wie das Tragen eines bestimmten Kleidungsstücks als Glücksbringer, werden als wirksam für den Ausgang zukünftiger Ereignisse angesehen.</li>
<li>Fehleinschätzung von Konkurrenten: Die Fähigkeiten anderer werden oft unterschätzt, was zu Fehlentscheidungen führen kann.</li>
<li>Überschätzung des eigenen Wissens: Menschen neigen dazu, ihren Kenntnisstand und ihr Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu überschätzen.<sup id="cite_ref-Economist99_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-Economist99-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zusätzliche_Verzerrungen:_Wie_sich_Fehleinschätzungen_verstärken"><span id="Zus.C3.A4tzliche_Verzerrungen:_Wie_sich_Fehleinsch.C3.A4tzungen_verst.C3.A4rken"></span>Zusätzliche Verzerrungen: Wie sich Fehleinschätzungen verstärken</h3></div>
<p>Weitere kognitive Verzerrungen verstärken diese Tendenz:
</p>
<ul><li><b><a href="Ankereffekt" title="Ankereffekt">Ankereffekt</a></b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a></span> <span lang="en-Latn" style="font-style:italic"><i>anchoring effect</i></span>): Eine einmal getroffene Aussage oder Meinung verfestigt sich und kann zur <a href="Selbsterf%C3%BCllende_Prophezeiung" title="Selbsterfüllende Prophezeiung">selbsterfüllenden Prophezeiung</a> werden, selbst wenn die ursprüngliche Quelle nicht besser informiert war als man selbst.<sup id="cite_ref-Economist99_3-2" class="reference"><a href="#cite_note-Economist99-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><b>Sturheitseffekt:</b> Menschen halten an ihren Überzeugungen fest, selbst wenn neue Informationen dagegen sprechen.</li>
<li><b>Nähe-Verzerrung:</b> Bekanntes wird bevorzugt, während alternative Optionen ignoriert werden.</li>
<li>Status-quo-Bias (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a></span> <span lang="en-Latn" style="font-style:italic"><i>status quo bias</i></span>): Infolge einer <a href="Status-quo-Verzerrung" title="Status-quo-Verzerrung">Status-quo-Verzerrung</a> gehen Menschen größere Risiken ein, um eine bestehende Situation zu erhalten, als um eine Veränderung herbeizuführen.<sup id="cite_ref-Economist99_3-3" class="reference"><a href="#cite_note-Economist99-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gewinn_und_Verlust:_Warum_Risiken_oft_falsch_bewertet_werden">Gewinn und Verlust: Warum Risiken oft falsch bewertet werden</h3></div>
<p>Der Umgang mit Gewinn und Verlust ist ebenfalls stark verzerrt:
</p>
<ul><li><b>Verlustaversion:</b> Der Schmerz eines Verlustes wiegt schwerer als die Freude über einen gleichwertigen Gewinn, was oft zu irrationalem Verhalten führt (z. B. <a href="Dispositionseffekt" title="Dispositionseffekt">Dispositionseffekt</a>). Das geht so weit, dass greifbare Vorteile nicht wahrgenommen werden, um die entferntere Chance des Versagens zu vermeiden.<sup id="cite_ref-Economist99_3-4" class="reference"><a href="#cite_note-Economist99-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li><b>Fehlgeleitete Prioritäten:</b> Menschen verbringen übermäßig viel Zeit mit kleinen Entscheidungen, während große, wichtige Entscheidungen vernachlässigt werden.</li>
<li><b>Unangebrachtes Bedauern:</b> Zeit und Energie werden darauf verwendet, vergangene Fehlentscheidungen zu betrauern, obwohl dies keinen praktischen Nutzen hat.</li>
<li><b>Dissonanzauflösung:</b> Falsche Entscheidungen werden im Nachhinein schöngeredet, um kognitive Dissonanz zu reduzieren (Sturheit, <a href="Kognitive_Dissonanz#Dissonanzauflösung_bzw._-reduktion" title="Kognitive Dissonanz">Dissonanzauflösung</a>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Unbewusste_Einflüsse:_Wie_subtile_Mechanismen_Entscheidungen_lenken"><span id="Unbewusste_Einfl.C3.BCsse:_Wie_subtile_Mechanismen_Entscheidungen_lenken"></span>Unbewusste Einflüsse: Wie subtile Mechanismen Entscheidungen lenken</h3></div>
<p>Darüber hinaus beeinflussen subtile psychologische Mechanismen Entscheidungen:
</p>
<ul><li><b>Manipulation durch Framing:</b> Entscheidungen fallen leichter, wenn sie als Verlustvermeidung dargestellt werden, und schwerer, wenn der Fokus auf möglichen Gewinnen liegt.</li>
<li><b><a href="Priming_(Psychologie)" title="Priming (Psychologie)">Priming-Effekt</a></b> (nach <a href="John_A._Bargh" title="John A. Bargh">John A. Bargh</a>): Frühere Erfahrungen und unbewusste Erwartungen beeinflussen aktuelle Entscheidungen (<a href="Semantisches_Priming" title="Semantisches Priming">Semantisches Priming</a>).</li>
<li><b>Situationsbewusstsein und Vorahnungen</b>: Menschen verlassen sich auf intuitive Einschätzungen zukünftiger Entwicklungen, was sowohl hilfreich als auch irreführend sein kann (<a href="Situationsbewusstsein" title="Situationsbewusstsein">Situationsbewusstsein</a>).<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<p>Diese kognitiven Verzerrungen spielen eine zentrale Rolle in der Prospect Theory und beeinflussen maßgeblich wirtschaftliche, politische und persönliche Entscheidungen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sonstiges">Sonstiges</h2></div>
<p>Die Prospect Theory beruht u. a. auf grundlegenden Überlegungen zur individuellen Nutzenfunktion von <a href="Daniel_Bernoulli" title="Daniel Bernoulli">Daniel Bernoulli</a>, deren Schwachstellen und Irrtümer Kahneman und Tversky im Rahmen ihrer Arbeit mit simplen Gedankenexperimenten offenbarten und ergänzten. In Kahnemans Buch "<a href="Schnelles_Denken%2C_langsames_Denken" title="Schnelles Denken, langsames Denken">Schnelles Denken, langsames Denken</a>" schrieb er hierzu:
</p><p><i>"Man könnte sich ohne Weiteres vorstellen, dass Bernoulli selbst ähnliche Beispiele konstruiert und eine komplexe Theorie aufgestellt hätte, um ihnen Rechnung zu tragen; aus irgendeinem Grund tat er dies nicht. Man könnte sich auch vorstellen, dass ihm zeitgenössische Kollegen widersprochen oder spätere Wissenschaftler nach der Lektüre seines Aufsatzes Einwände erhoben haben, aber das geschah ebenfalls nicht."</i> (S. 340)
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>D. Kahneman, A. Tversky: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jstor.org/stable/1914185"><i>Prospect theory: An analysis of decision under risk</i>.</a> In: <i>Econometrica</i>, Band 47, 1979, Nr. 2, S. 263–291.</li>
<li>A. Tversky, D. Kahneman: <i>Advances in prospect theory: cumulative representation of uncertainty.</i> In: D. Kahneman, A. Tversky (Hrsg.): <i>Choices, values and frames.</i> Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 44–66.</li>
<li>D. Kahneman: <i>Thinking, fast and slow.</i> Allen Lane, London 2011, ISBN 978-1-84614-606-0, darin Kapitel 26 <i>Prospect Theory</i>, S. 278–288.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Prospect_theory?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Prospect theory</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/prospect-theorie.html"><i>Prospekt-Theorie</i>.</a> <i>Gabler Wirtschaftslexikon</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">W. Kroeber-Riel / A. Gröppel-Klein: <cite style="font-style:italic">Konsumentenverhalten</cite>. 10. Auflage. Franz Vahlen, München 2013, ISBN 978-3-8006-4618-0, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>21</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Prospect+Theory&rft.au=W.+Kroeber-Riel+%2F+A.+Gr%C3%B6ppel-Klein&rft.btitle=Konsumentenverhalten&rft.date=2013&rft.edition=10&rft.genre=book&rft.isbn=9783800646180&rft.pages=21&rft.place=M%C3%BCnchen&rft.pub=Franz+Vahlen" style="display:none"> </span></span>
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<li id="cite_note-Economist03-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Economist03_4-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Economist:</i> <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.economist.com/node/1763775"><i>Behaviourists at the gates;</i></a> 8. Mai 2003.</span>
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<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">H. Beck: <cite style="font-style:italic">Behavioral Economics</cite>. 1. Auflage. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-03367-5, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>131–132</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Prospect+Theory&rft.au=H.+Beck&rft.btitle=Behavioral+Economics&rft.date=2014&rft.edition=1&rft.genre=book&rft.isbn=9783658033675&rft.pages=131-132&rft.place=Wiesbaden&rft.pub=Springer+Fachmedien" style="display:none"> </span></span>
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</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Christian_Becker-Carus" title="Christian Becker-Carus">Christian Becker-Carus</a>; Mike Wendt: <i>Allgemeine Psychologie. Eine Einführung.</i> 2. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-53006-1, S. 13 f.</span>
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<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">H. Beck: <cite style="font-style:italic">Behavioral Economics</cite>. 1. Auflage. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-03367-5, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>110</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Prospect+Theory&rft.au=H.+Beck&rft.btitle=Behavioral+Economics&rft.date=2014&rft.edition=1.&rft.genre=book&rft.isbn=9783658033675&rft.pages=110&rft.place=Wiesbaden&rft.pub=Springer+Fachmedien" style="display:none"> </span></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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